Standortbestimmung KI: Es braucht Data Governance und effektiven Nutzen
Die diesjährige Mitgliederversammlung der Swiss Data Alliance stand im Zeichen der künstlichen Intelligenz (KI). Auf eine Standortbestimmung von Ruth Fulterer folgte ein Podium, das die Anwendbarkeit von KI bei Unternehmen beleuchtete.
Ruth Fulterer, Redaktorin im Ressort Wissenschaft, Technologie und Mobilität bei der Neuen Zürcher Zeitung, thematisierte in ihrer Standortbestimmung die Realität und die Versprechen rund um Künstliche Intelligenz (KI). Ob sich mit dem Bau von Datenzentren für KI tatsächlich das Bruttoinlandsprodukt eines Landes vervierfachen könne (wie dies von Keith Strier am diesjährigen WEF kolportiert wurde), sei zu bezweifeln. Der enorme technologische Wandel der letzten Jahrzehnte ist aber nicht von der Hand zu weisen. Dies zeige sich auch im journalistischen Arbeitsalltag. Obwohl KI auch bei der NZZ zum Einsatz komme – beispielsweise bei der Formulierung von suchmaschinenfreundlichen Titeln –, sei die Frage nach der Produktivitätssteigerung und dem effektiven Nutzen von KI sehr schwer zu beziffern. Je nach Anwendung falle die Antwort sehr unterschiedlich aus.
«Wettrüsten» als politisches Argument
Fulterer hinterfragte auch das Narrativ des «Wettrüstens» bei der Entwicklung von KI. Vor dem Hintergrund der Copyright-Diskussion um die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Trainingsdaten grenze das Argument an «rhetorische Erpressung». Es sei auch nicht zu vergessen, dass es um viel staatliches Geld gehe, ebenso um den Zugang zu Energieressourcen und um wirtschaftliche Interessen, beispielsweise bei der Herstellung von Chips. «Wird ein sehr fähiges Modell wie DeepSeek tatsächlich die Weltpolitik bestimmen?», fragte Fulterer. Und antwortete gleich selber: «Ich sehe das noch nicht.»
Nutzen entlang des 80-20-Prinzips
Insgesamt bewege sich der Nutzen von KI wohl entlang dem 80-20-Prinzip – dass also vieles möglich ist, aber die letzten paar Prozent der Arbeit immer noch sehr aufwändig sind. Technologiekonzerne würden diese noch ausstehenden Entwicklunsschritte bisweilen gerne kleinreden. Das kam auch zum Ausdruck bei einer Party von Tesla, wo Roboter als Barkeeper eingesetzt wurden und die Besuchenden mit ihren Fähigkeiten beeindruckten. Wie sich herausstellte, waren es Menschen mit VR-Brillen und Motion-Capture-Anzügen, die die Roboter steuerten.
Das Podium von Ruth Fulterer, Marc Holitscher und Alain Gut befasste sich mit den Herausforderungen und Chancen, die KI für Wirtschaft und Gesellschaft bietet. Sie sprachen von der Notwendigkeit, KI in Unternehmen strategisch zu verankern, wobei insbesondere die Nutzung von Daten entscheidend sei. Unternehmen müssen verstehen, wie sie KI-Modelle effizient einsetzen können, um echten Mehrwert zu schaffen.
Datenqualität ist entscheidend
Ein zentraler Punkt dabei ist die Datenqualität. Ohne qualitativ hochwertige Daten sind die meisten KI-Anwendungen nicht sinnvoll. Viele Unternehmen hätten in der Vergangenheit nicht genug in Datenstrategien investiert, was sie heute vor Herausforderungen stellt, KI voll auszunutzen. Zudem biete die Nutzung von KI nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Herausforderung. Der Wandel hin zu einem datengetriebenen Unternehmen erfordere oft tiefgreifende Veränderungen im Denken der Mitarbeitenden.
Nischen finden
Für die Schweiz bestehe die Chance darin, Technologien schnell zu adaptieren, auch wenn sie diese nicht immer selbst entwickelt. Hoch spezialisierte kleine und mittlere Untenehmen könnten in Nischen eine Vorreiterrolle einnehmen. Allerdings hätten viele Firmen noch nicht die richtigen Use Cases für KI gefunden und legten eine gewisse Unsicherheit an den Tag, wie sie die Technologien sinnvoll einsetzen sollen.
Digitale Kompetenzen fördern
Nicht zuletzt erfodert der Umgang mit KI neben den technischen Fähigkeiten auch ein tieferes Verständnis der ethischen und sozialen Implikationen. Erschwerend ist, dass die digitalen Kompetenzen in der Schweiz über die ganze Bevölkerung hinweg weniger ausgeprägt sind als beispielsweise bei den nordischen Ländern. Es würde helfen, konsequent auf «digital only» zu setzen, weil nur dann die Zugänglichkeit und Benutzbarkeit für die ganze Bevölkerung gewährleistet werden könne.